Session “Zukunft der Arbeit”

Sessiongeber / Eckdaten

Name Sessiongeber: Christian Dingler
Twitter: @dingler_g4
Website(s): http://www.genuin4.de/
Art der Veranstaltung: Diskussion
Zeit / Raum: 15:00 / Raum W
Teilnehmerzahl: 11
Protokollant: Mike Schnoor

Verlauf / Inhalte der Session

D64 diskutiert mit den Workshop-Teilnehmern, welche Problemfelder, Trends und Entwicklungen sich für die Zukunft der Arbeit ergeben und welche Lösungsansätze sich daraus ergeben.

Was ist die Zukunft der Arbeit?

Die Teilnehmer befürchten, dass für eine digitalisierte Zukunft noch nicht genügend alternative Jobs bestehen. Hingegen existieren bereits neue Vermögensziele durch das Prinzip der Teilhabe. Shareconomy kann als kurzfristige Arbeitsbeschaffungsmöglichkeit funktionieren, birgt aber eine große Gefahr, sollte die Shareconomy als Ausrede dafür dienen, massenhaft prekäre Arbeitsplätze zu schaffen, wie es beispielsweise am Fall von UBER möglich sei. Eine Entwertung der Arbeitskraft dürfe ebenso wenig durch die Digitalisierung und die damit verbundene Prozessautomatisierung erfolgen.

Die sozialen Strukturen in Deutschland gelten nach Ansicht mancher Teilnehmer als rückständig. Die deutschen Bürger leben in einer Welt der sozialen Absicherung, welches für ein neues Wirtschaftssystem basierend auf Leistungswerten und Performance eher nachteilig ist. Die Zukunft der Arbeit sollte durch die Fragen mitdefiniert werden, wie Menschen zukünftig abgesichert werden und wer fängt einen auffangen könnte? Eine mögliche Prekarisierung der Freiberuflichkeit lehnen die Teilnehmer ab, denn als Freiberufler sei man bereits aus vielen Sicherungssystemen ausgeklinkt. Sie erwarten jedoch eine Zunahme von projektbasierten Aufgaben und der Verteilung von Arbeit in Netzwerken bzw. Gruppen.
Wünschenswert sei die Aufwertung von unbezahlter Arbeit, die insbesondere im Ehrenamt, aber tagtäglich bei der Pflege von Alten durch Verwandte oder bei der häuslichen Pflege von Kindern durch Mütter aufkommt.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Oft äußern die Teilnehmer, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen und freier Zugang zu sozialen Versorgungsnetzen viele Probleme der Digitalisierung von Arbeit abfedern können. Dieses Ideal könne auch ohne die Digitalisierung helfen, die Zukunft der Arbeit menschenwürdig und sozialverträglich zu gestalten. Die Gesetzgebung muss konkrete Spielregeln erstellen, um neuen Arbeitsmodelle zu ermöglichen und die vielbeschworene Trennung von beruflichen und privaten Tätigkeiten einzufangen. Als Vorschlag wünschen sich die Teilnehmer, die Steuersätze zu ändern und das Abgabeverfahren radikal zu vereinfachen.

Die deutsche Gesellschaft sei durchaus positiver zu bewerten als die der USA, aber der deutsche Wunsch nach Sicherheit hemmt die Innovationskraft. Am Beispiel von UBER scheiden sich sogar die Geister. Bislang gibt es keinen gangbaren Ansatz, solche rein digitalen Geschäftsmodellen, ohne ihnen zu viele Steine in den Weg zu legen, in die Pflicht zu nehmen, ihre Fahrer auf irgendeine Weise nachhaltig im Alter abzusichern. Verbote seien sehr einfach, aber nicht der richtige Weg. Es ginge eher darum, dass gewerbliche Anbieter auch in die Sozialkassen einzahlen müssen, selbst wenn sie freiberufliche oder selbstständige Subunternehmer indirekt beschäftigen.

Die Teilnehmer wünschten sich, einen grundsätzlichen Konsens zu finden, bei dem Internet und Realität nicht trennbar sind, sondern eher die Digitalisierung als Realität für die Arbeit empfunden wird. Dafür sei ein normativer Anker oder Leuchtturm notwendig, damit Arbeit in Deutschland nicht auf das prekäre Niveau wie in den USA oder in Indien gestuft wird. Nach Ansicht der Teilnehmer könnte dies als Trojanisches Pferd aufgesetzt werden, um diese Wünsche in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu transportieren.

Deutschland leide an einer Gesetzgebungssklerose. Den Sessionteilnehmern zufolge wird der Tag kommen, an dem hierzulande die verschlechterten Umstände verboten werden müssen. Wie jedoch aus neuen Möglichkeiten die Chancen identifiziert werden sollten und Probleme vermieden werden können, darüber waren die Sessionteilnehmer uneins. Zwar sollte gerne alles unbürokratisch geregelt werden, aber dann wiederum trotz des Wunsches nach Verboten sollte diese Regelung nicht so streng ausfallen.

Welche Chancen gibt es?

Es wird Veränderungen geben und sie werden gravierende soziale Änderungen bedeuten. Potenziale sollten zwar gefördert werden, aber was soll mit wenig bis gar unqualifizierten Arbeitskräften geschehen? Eine Automatisierung von routinemäßige Arbeiten könne dabei helfen, geringer qualifizierte Arbeitskräfte zu entlasten. Wichtig sei dabei zu identifizieren, welche Berufsbilder so wertvoll sind, dass sie vor Digitalisierung und Automatisierung geschützt werden müssen.

Gedanklich sollte sich die Gesellschaft davon loslösen, dass Broterwerb durch Arbeit erfolgt. Arbeit solle vielmehr über Selbstverwirklichung definiert werden. Dabei stellt sich für die Teilnehmer die Frage nach der Zeit, die Arbeitskräfte durch neue Arbeitszeitmodelle gewinnen. Der Markt könne davon profitieren, dass dadurch neue Produkte geschaffen werden – jedoch hätte man dies bereits vor 30 Jahren behaupten können.

Hier kommt die Unternehmensdemokratie zu tragen in Form eines Mitbestimmungsrechts der Mitarbeiter. Dieses könne als neues politisches Kernthema für Sozialdemokraten verstanden werden.

Ein einfacheres Steuersystem könne helfen, von allen Geldern, die sich im Umlauf befinden, einen festen Teil für die Sozialsysteme abzuziehen oder nur eine existenzielle Steuer wie die Mehrwertsteuer einzuführen, die sämtliche anderen Steuern überflüssig macht und für den gesamten Staatsapparat und die Sozialsysteme aufkommt.

Dieses Protokoll ist Teil der Session-Dokumentation zum NetzpolitikCamp (11.03.15, Düsseldorf).

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.