Session “Privatheitsschutz (in NRW)”

Sessiongeber / Eckdaten

Name Sessiongeberin: Lara Schartau
Art der Veranstaltung: Diskussion
Zeit / Raum: 13:00 / Raum R
Teilnehmerzahl: 8 – 10
Protokoll: Tanja Laub

Verlauf / Inhalte der Session

Ausgangslage (Um was geht es in der Session?)

Lara Schartau hat bewusst Privatheit und nicht Datenschutz als Begriff gewählt.
Bei dem Vorhaben NRW digital voran zu bringen gibt es bisher zu wenig Infos zum privaten Schutz.

Drei Themen bei denen die Landeseben etwas tun kann:

  1. Digitale Spaltung verhindern
    Häufiges Unterscheidungskriterium: Leute die Technik haben und die, die sie nicht haben. Aber Differenzierung sollte eigentlich weiter gehen: Leute, die das Thema verstehen (z.B. wie verschlüsselt man Mails und Co) und Leute, die das Thema nicht verstehen. Alle müssen sich weiterentwickeln und geschult werden.
    Wer hat Zeit Projekte umzusetzen? Oft punktuelles Engagement und in Schulen, aber Thema muss konstant in Öffentlichkeit präsent sein, bei Rentnern, in Verwaltungen.
    Digitale Welt ist Wandel, aber viele Bürger kennen sich mit dem Thema nicht aus. Daher ist eine kritische Reflektion notwendig. Viele Menschen kennen Risiken und Alternativen nicht
  2. Thema wird oft nur als juristisches Laster gesehen, das man abhaken muss, aber es muss mit Leben gefüllt werden. Was steckt dahinter? Privacy Impact Assessments.
  3. Text: Ich hab doch nichts zu verbergen aus der APuZ (Aus Politik und Zeitgeschehen, Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/apuz/202238/ich-habe-doch-nichts-zu-verbergenAussage: Es gibt keine Alternative zu Google und Facebook, Menschen akzeptieren, dass das Internet so aussieht. Alternativen werden nicht gesehen.

Ideen (Welche Lösungen wurden vorgeschlagen)?

Arzu Uyan: Studie 50 % der Deutschen sagen „Meine Themen sind nicht so relevant“. Wie bekommt man die Haltung der Leute aus dem Kopf raus ist mir doch egal ich hab nichts zu verbergen.

Diskussion:

Facebook sitzt in Irland = anderer Datenschutz. TTIP Politik ist von Natur aus lahm. Muss man überhaupt alles preisgeben? Sensibilisierung schaffen.
Diskrepanz zwischen alles politisch zu lösen und fehlendem politischen Bewusstsein. Problem Tinder (Dating App) und Facebook lösen Suchtverhalten aus. Vortäuschung man sei nicht alleine, dafür nehmen User Datenpreisgabe in Kauf.
Kann man dem Thema überhaupt entgehen? Selbst wenn man Facebook nicht nutzt, Smart TV sammelt auch Daten. Datenschutz im Privaten ist ein Thema, egal wo man hingeht: Wahlen, beim Arzt, beim Bus fahren.

Lara Schartau: Nutzung von Alternativen schließt einen selbst auch vor Nutzung cooler Tools aus.
Der User selbst ist der Wert, er bezahlt mit eigenen Daten. Würde eine Alternative so auf den Markt gehen bitte bezahlt x Euro gäbe es einen Aufschrei unter den Usern. Diese wollen nicht zahlen.
Frage wie viel direkte Demokratie muss in diese Diskussion rein? Wirtschaft ist in diesem Thema bereits aktiv.
Leute denken nicht langfristig bei dem Thema nach, sonst würde niemand sagen ich hab nix zu verbergen.

Nadia Zaboura: Den Standort NRW sollte man neu als Security Standort denken: Alle Unternehmen landen aktuell in Berlin. Dazu gehört Medienkompetenz. Politik. Wissenschaft. Wirtschaft. Diese müssen zusammen spielen, um das Thema als Standortfaktor auszuspielen.
Es geht um Alternativen – Selbstbestimmung. User müssen bewusst wissen auf was sie sich einlassen.

Annika Kremer: Eigene Erfahrung: Bewusst dazu entschieden mit eigenem Namen und Gesicht im Internet für Interessen einzutreten, da man damit glaubwürdige ist, als mit einem Nicknamen.

Lars Sobiraj: Grundregel der Straße sollte auch aufs Internet übertragen werden. Wenn ich über Straße gehe bin ich nicht identifizierbar. BarCamp durchbricht dies mit Namenstag. Internet -> Folge viele attraktive Dienste werden kostenpflichtig.

Christian Rottler: Man kann Daten sparen so viel man will, aber der Admin hat Daten so oder so. Es stehen immer noch 10-15 Parameter zur Analyse zur Verfügung. Was User übersehen: Sehr viele Daten werden beim Surfen auf Online-Websites von den Unternehmen gesammelt. Kann jeder durch Firefox Add On selbst testen.

Katrin Hilger: Usern ist Detailtiefe der Werbedaten nicht bewusst. Möglichkeit Mütter aus Düsseldorf-Ost zu targeten, die Windeln kaufen. Aber auch Betriebsarzt hat durch Akte viele Informationen gesammelt. Zusammenbruch in der Probezeit könnte so zum Beispiel zu Kündigung führen, auch wenn es nicht erlaubt ist. Auch da ist das Thema den Leuten nicht bewusst. Wie vermittelt man dies? Blog und Gespräche interessieren User nicht.

Lara Schartau: Was kann man in NRW tun? Noch keine Vorschläge von Aktivisten oder Personen bekommen. Kommt kein Druck. Wie kann man das ändern?
Den Schutz der Privatheit an den Anfang jeder Überlegung stellen. Hat sich darüber geärgert, dass Fotos auf BarCamp verwendet werden. Alternative: vier verschiedene Buttons, wie darf mit Fotos umgegangen werden. Fotos, Taggen… Überlegung fängt im Kleinen an. Potentielle Leute werden ausgeschlossen. Warum wird das nicht bedacht?

Astrid Christofori: Problem Anonymität in der Straßenfotografie soll aufgeweicht werden. Auch in der analogen Welt gibt es keine Anonymität mehr.
Gegenrede: Ganze Tradition der Straßenfotografie gäbe es nicht, wenn es die Regeln früher schon so gegeben hätte. Es ist etwas anders ob die Bilder in einer Ausstellung, Print oder wie heute in sozialen Netzwerken verwendet werden.

Namentlich nicht benannte Teilnehmer: User sind nur noch ein Produkt. Aber sie leben in einer Wohlfühlgesellschaft und niemand geht auf Revolution.
NRW hat ein Kommunikationsproblem. Niemand weiß an wen wende ich mich zum Thema Netzneutralität z.B. Staatskanzlei Referat digitale Gesellschaft, nrw.de, an Parteien. NRW braucht Ansprechpartner. Undurchsichtig für Bürger. Verborgen verklausuliert. Auf wen gehst du mit welcher Frage zu?
Business Modelle umdenken: Nicht mit Daten bezahlen, sondern ich bekomme Geld damit Unternehmen meine Daten nutzen dürfen.

Aufruf eines Landtagsabgeordneten: Interessierte zum Thema Netzpolitik müssen sich mehr engagieren und in die Gremien gehen. Macht Politik, anstatt nur darüber zu sprechen.

3 Forderungen an das Land NRW
Lara Schartau:

  1. Fundierte Kenntnisse über Datenschutz und Privatsphäre müssen Bestandteil einer guten digitalen Schulbildung sein.
  2. Wenn in Verwaltung Daten gespeichert werden muss gezeigt werden wie. Transparenz!
  3. Landesdatenschutzbeauftragen stärken

Dieses Protokoll ist Teil der Session-Dokumentation zum NetzpolitikCamp (11.03.15, Düsseldorf).

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