Session “Das Netzpolitikspiel”

Sessiongeber / Eckdaten

Namen Sessiongeber: Mike Schnoor, Astrid Christofori
Twitter: @mikeschnoor & @a_christofori
Websites: www.mikeschnoor.com / www.digibuzz.de / http://www.kooperationsblog.de/
Art der Veranstaltung: Spiel
Teilnehmerzahl: 12
Zeit / Raum: 14 Uhr, Raum W
Protokoll: Mike Schnoor

Verlauf / Inhalte der Session

Was ist eigentlich Netzpolitik? Gibt es Digitale Freiheit? Wie können politisch interessierte Bürger sich in die Diskussionen einklinken? Und wie definiert sich dieser neue politische Schauplatz?

Anstatt mit wenigen Protagonisten über netzpolitische und insbesondere rechtliche Situationen zu sprechen, entschieden sich die Sessionleiter für ein spielerisches Element in Form eines klassischen Brettspiels. Die Spielfläche in Form einer in sich gedrehten Schnecke oder Schlange hatte jeweils am Ende und in der Mitte einen Start- und Endpunkt, auf dem die Spielfiguren ihre Reise von der Sicherheit in die Freiheit oder umgekehrt antreten konnten. Einmal gewürfelt und die Spielfiguren wurden auf die ersten Felder gezogen. Neben freien Feldern gab es zahlreiche Ereignisfelder, die durch ein Fragezeichen markiert wurden. Zwischen den Spiralen der Schnecke/Schlange konnten die Teilnehmer über rote Leiterfelder in jede Richtung einen Großteil der Spielfelder geschickt überbrücken. Sobald eine Spielfigur aber auf einem Ereignisfeld halten musste, stellten die Sessionleiter eine zufällige Frage aus 50 verschiedenen Ereigniskarten, die die Teilnehmer zum Nachdenken und Diskutieren anregen sollten. Selbst wenn eine Folgeaktion wie Aussetzen oder Vorrücken damit verbunden war, mussten die Spieler sich den Fragen stellen und argumentieren, weshalb sie ihre jeweilige Meinung vertreten. Die daraus resultierenden Gesprächsmomente erlaubten jedem Spieler, sich mit aus den Medien bekannten Situationen zu beschäftigen, ihr rechtliches Verständnis aufzufrischen und tiefer in einzelne Gebiete der Netzpolitik einzusteigen. Zudem hinterfragten die Teilnehmer einige Beispiele der nationalen und internationalen Rechtssprechung, weil ihr Grundverständnis durchaus abweichend geurteilt hätte.

Zwar reichte die Zeit der Session nicht dafür aus, um das jeweilige Ziel der Sicherheit oder der Freiheit zu erreichen, jedoch waren sich die Teilnehmer einig, dass die Spielidee sehr gelungen sei und den BarCamp-Teilnehmern andere Sichtweisen zur Netzpolitik beibringen konnte. Zudem wurde gebeten, das Netzpolitikspiel um weitere thematische Ereignisfragen zu den jeweiligen Bereichen Sicherheit und Freiheit auszubauen. Die Produktion eines echten Spiels aus hochwertigem Spielmaterial wurde ebenfalls offeriert, bevor jedoch die Marktreife dieses Nischenprodukts erlangt wird, streben die Sessionleiter noch einige weitere Testläufe auf BarCamps zur Optimierung ihrer Spielidee an.

Beispiele für Ereigniskarten:

  • “Du spendest 1000,- Euro an einen netzpolitischen Verein. Gehe drei Felder vor und ruhe Dich dann eine Runde aus.”
  • “Du hattest eine richtig tolle Idee und aggregierst nun auf Deiner selbstgebauten PHP-Webseite einige Nachrichtenfeeds. Aber – hast Du auch das Leistungsschutzrecht gedacht? Leider mußt Du Deinen Service einstellen – gehe zwei Felder zurück und setze eine Runde aus, um Dich zu informieren.”
  • “Edward Snowden chattet mit Dir über einen neuen Leak. Gehe darauf ein und publiziere die Story – du darfst ein Feld vorrücken.“
  • “Überraschung: Frau Merkel möchte Deine Meinung zum Thema Netzneutralität hören. Also: was denkst Du über Netzneutralität? Und damit Du Dich auf das Gespräch mit Frau Merkel auch richtig vorbereiten kannst, setzt Du eine Runde aus.”
  • “Während eines Türkeiurlaubs wirst Du zufällig Zeuge einer großen Demonstration, bei der es leider auch Verletzte gibt. Du bist sehr betroffen und twitterst intensiv, was Du gerade siehst und erlebst. Die türkischen Behörden sind von Deiner „Berichterstattung“ über Twitter wenig begeistert. Daher möchten sie sich etwas intensiver mit Dir unterhalten. Du musst daher eine Runde aussetzen.”
  • “Respekt, Du hast dich durch die Facebook-AGB vollständig durchgelesen. Hole deinen zeitlichen Rückstand auf und gehe zwei Felder weiter.”
  • “Du hast in Berlin bei einer kleinen und hochkarätigen Tagung zum Thema Überwachung und Freiheit teilgenommen – als Redner waren Laura Poitras und Jacob Appelbaum dabei. Du hast eifrig von dort getwittert – Dein Highlight des Tages war ein Selfie mit Laura Poitras und Jacob Appelbaum. Am nächsten Tag möchtest Du über London in den lang ersehnten Urlaub fliegen. Doch auch in London hat man Deine Aktivitäten bemerkt und nimmt sich die Zeit, Dich ausführlich zu befragen. Du musst eine Runde aussetzen.”
  • “Du hast einen USB-Stick gefunden und benutzt. Der daraus resultierende Hackerangriff wirft dich um drei Felder zurück.”
  • “Das Thema Urheberrecht interessiert Dich. Deswegen hast Du den Bericht von Julia Reda gelesen und willst Dich auch an der Diskussion zu diesem Bericht beteiligen. Deine Neugier wird belohnt – Du darfst eine weitere Karte ziehen.”

Dieses Protokoll ist Teil der Session-Dokumentation zum NetzpolitikCamp (11.03.15, Düsseldorf).

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